So Fritz hat seine erste “Prüfung” – die jagdliche Anlagensichtung – hinter sich. Ich durfte für unsere DRC Zeitung “Der Retriever” einen kleinen Bericht schreiben. Diesen wollte ich nach der Veröffentlichung in der Juni 2022 Ausgabe auch auf meinem Blog teilen…
Jagdliche Anlagensichtung im Raum Jülich
Nach einer fast schlaflosen Nacht ging der Wecker viel zu früh. Der Tag unserer ersten “Prüfung” war gekommen. Fritz war ruhig und entspannt wie eh und je. Nur Herrchen war nervös. Eigentlich gab es da keinen Grund zu. Ich muss den Hund nur nach Jülich fahren, ableinen und er zeigt den Richtern und Veranstaltern von der BZG Aachen dann was er so kann…oder halt nicht. Ach ja, Schleppwild sollte man besser auch mitnehmen – 2 Enten und 1 Kaninchen. Das Prüfungsschleppwild ist nur leider etwas größer als jenes, welches wir zum Trainieren benutzt haben und nach 36h noch nicht ganz aufgetaut. Egal, wozu gibt es eine Sitzheizung?!
Nach 90 min Fahrt sind wir dann am vereinbarten Treffpunkt angekommen. Dort warteten bei bestem Wetter auch schon die Revierpächterin Claudia und die Sonderleiterin Alexandra auf die Richter. Leider noch nicht auf uns als erstes Starterteam. Tja, ich war halt sehr nervös und daher sehr früh losgefahren. Ein Spaziergang wird Hund und Herr schon beruhigen.
Anschließend durften Fritz und ich mit der Pächterin ins Revier fahren. Dort angekommen, wurden erstmal alle Formalitäten geklärt: Ahnentafel, Versicherungsnachweis, Chipnummer, Impfnachweis – sowohl vom Hund als auch vom Führer.
Danach kam der schönste Teil für einen Labrador: Die Richter wollten ihn auf Mängel untersuchen. Aber wohl nicht ohne ihn einmal anständig zu begrüßen 😉
Nachdem keine Mängel festgestellt wurden, und der Hunde-TÜV bestanden war, ging es zu den einzelnen Aufgaben:
Markierung – Eine Ente wurde sichtig ausgeworfen.
Kein Problem für Fritz. Er wurde geschnallt, sprang über Totholz, rannte durch einen Graben, den Hang etwas nach oben und nahm gezielt die Ente auf. Freudigst kam er zu mir zurück und brachte mir die Ente. Sein Blick danach verriet mir: “Herrchen, das war ein riesen Spass. Lass weiter machen!”
Also ging es dann zur zweiten Aufgabe:
Freie Verlohrensuche – Eine Ente und ein Kaninchen wurden nicht sichtig ausgelegt. Fritz wurde zur Suche geschickt und fand auch recht zügig die Ente, die mir freudig zugetragen wurde. Als ich Fritz wieder festmachen wollte, erinnerte mich die Richterin, dass da ja noch ein Kanin fehlt. Ach ja.. Also habe ich Fritz nochmal zur Suche geschickt. Der guckte mich verwundert an. Er hatte doch was gefunden, und das hatte vorher ja auch immer gereicht. Nun gut… Ich bin ein paar Schritte mit in den Bestand gegangen und habe ihn motiviert und jedes mal wenn Fritz sich rückversichert hat, habe ich Ihn bestärkt weiter zu suchen. Und auf einmal war das Kaninchen im Fang und er kam freudestrahlend zurück. Puh, da lagen die Nerven dann doch wieder blank!
Schnell weiter zur dritten Aufgabe:
“Apport am Wasser” – Hier wurde eine Ente auf der gegenüberliegenden Seite eines Gewässers für den Hund sichtig ins Wasser geworfen. Fritz war sehr motiviert. Als er geschnallt wurde sprang er wie der Teufel ins Wasser, kletterte über ein, zwei “Schilfinsel”, an der Ente vorbei und stand an der anderen Uferseite… Oh man…Aber dann drehte er selbstständig um, schnappte sich die Ente! Er überlegte kurz ob er um das Gewässer rumlaufen, oder doch zurück schwimmen sollte….. Mit etwas Motiviation von meiner Seite wählte er schließlich den schwersten Weg und kämpfte sich durch das Gewässer zurück. Zwei Inseln aus treibenden Schilf und eine Schilfdickung 5m neben mir später, saß der nasse und schnaufende Hund dann vor mir und präsentierte stolz die Ente, welche ich nach einem “Aus” solide aus seinem Fang nehmen konnte. Allerdings hatte das Federkleid bei dieser Übung so stark gelitten, dass später die Reserveente noch zum Einsatz kommen musste. Aber egal. Der Hund, die Richter und das Herrchen von Fritz waren sehr zufrieden mit der Leistung: Die “ausgeprägten” körperlichen Härte wurde attestiert.
Als Fritz sich etwas trocken lief, wurde für die vierte Aufgabe eine Schleppe mit dem Kaninchen gezogen. Dabei musste ein Graben gekreuzt werden.
Erschwerend kam hinzu, dass der Wind immerzu drehte. Mensch, war ich nervös! Fritz hat nach dem Schwimmen sonst immer einen Schalk im Nacken sitzen….aber scheinbar weiß er wohl wann er sich zu benehmen hat! Die Schleppe hat er super gearbeitet. Anfangs musste er mehrfach neu Wind nehmen, hatte sich aber dann richtig auf der Schleppe fest gesaugt. Irgendwann war er außer Sicht und dann hieß es: Abwarten! Ich glaube jeder kann nachvollziehen, wie diese Warterei weiter am Nervenkostüm zerrt. Schlussendlich kam er freudig mit Kaninchen im Fang zurück. An ein sauberes Ausgeben war aber ab jetzt nicht mehr zu denken. Auch die Leinenführigkeit auf dem Weg zur letzten Aufgabe ließ zu Wünschen übrig… Man merkt, die Konzentration lässt bei dem jungen Hund dann einfach nach.
Wir mussten noch kurz warten, damit das Wild ausgelegt werden konnte. Dann wurde kurz der Ablauf der Suche im Feld mit Schussabgabe erklärt, und es konnte losgehen.
Fritz suchte freudig und ließ sich von den Schüssen nicht beeindrucken. Er hatte etwas Mühe, da auch hier der Wind drehte. Ab und zu schaute er zurück zu mir um sich Bestätigung zu holen. Er fand Kanin und Ente auch und brachte sie mir. Es war nun aber deutlich zu merken, dass er kaputt war.
Nach der letzten Aufgabe haben sich die Richter kurz beraten und mit mir, in einer offenen Aussprache, ihre Beobachtungen erklärt. Dieses Gespräch war freundlich und in meinen Augen sehr transparent und aufschlussreich. Ich konnte den Richtern nur zustimmen und war erleichtert, dass Fritz seine erste “Prüfung” bestanden hat 🙂
Das nächste Gespann stand schon,scheinbar auch nervös, in den Startlöchern, sodass Fritz und ich entspannt und stolz die Rückreise antreten konnten.

… die DRC BZG Aachen für das Abhalten der jagdlichen Anlagensichtung.
… die Verbandsrichter für die gute Kommunikation der Aufgaben und die anschließende offene und sachliche Beurteilung.
… Pächterin Claudia für die Möglichkeit in Ihrem Revier die Sichtung abzuhalten.
… Alexandra, dass Du dich gut um uns gekümmert hast.
… Andrea, die mir diesen tollen Hund anvertraut hat.
Chris mit Fritz (T-Rex vom Idsinger Holz)
Links:
Homepage Deutscher Retriever Club e.V.
Prüfungsordnung: Jagdliche Anlagensichtung – Link